Laufen in der Wandlungsphase Holz

Nun ist er da – der Frühling. Die Holz-Energie erwacht. Das System der Fünf Elemente aus der chinesischen Medizin ist auch hier bei uns nicht unbekannt. Die Fünf Elemente-Küche ist vielen Menschen ein Begriff. Besser wäre es, statt Fünf Elemente Fünf Wandlungsphasen zu sagen, denn mit dieser Bezeichnung werden die ständig wandelnde, verändernde, wiederkehrende und hervorbringende Eigenschaften der Natur deutlich.

Wie angekündigt möchte ich ausführen, wie sich ein gesundes Laufverhalten entwickeln kann, wenn der Läufer sein Training und seine Performance im Einklang mit den natürlichen Wandlungen der Natur gestaltet. Fast nebenbei sind Leistungssteigerungen am Ende eines Jahres möglich, die zuvor für unerreichbar gehalten wurden. Wer sich traut, kann sogar seine Stoppuhr, sein GPS und seine Pulsuhr (Kreislauf- und Herzpatienten selbstverständlich nur nach ärztlicher Rücksprache) zu Hause lassen. Es geht vielmehr darum, wieder eins mit den natürlichen Zyklen der Natur zu werden. Wer mag, kann in regelmäßigen Abständen Leistungstest mit Stoppuhr vornehmen.

Es ist wieder so weit. Kaum zu glauben. Der Frühling kommt, gut genährt vom Winter, der die Wandlungsphase Wasser entspricht. Die introvertierte Zeit ist nun vorbei, man drängt nach draußen. Die Starre des Winters wird abgeschüttelt. Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres laden die Akus auf, man entwickelt Tatendrang – endlich. Die ersten Blumen bestaunen, die schönen Knospen und Blüten an den Bäumen genießen, dem Gezwitscher der Vögel lauschen. Die Natur erwacht. Es wird laut da draußen.

Der Frühling gehört in der Chinesischen Medizin zum Element Holz. Das Holz, dem die Kraft innewohnt, dass sich ein kleiner winziger Samen nach oben durch die Erde bohrt, um sich dann an der Luft frei zu entfalten. Das Holz will wachsen, tut es auch, denn wie es scheint, wächst alles um einen herum um die Wette. Sogar der Löwenzahn dringt vereinzelt durch Beton und setzt sich gegen Widerstände durch. Sich im Frühjahr gegen die Widerstände in den eigenen Köpfen durchzusetzen ist ratsam und alles andere als ungesund. Lauf mal einen Berg hoch, überschreite Grenzen, indem du beim nächsten langen Lauf einfach 5 Kilometer dran hängst, mach einfach etwas anders als sonst, sei flexibel.

Diese Flexibilität lebe im Frühjahr voll aus. Der Baum, und vor allem der Bambus sind das Sinnbild für das Holz. Sie sind kraftvoll und gleichzeitig flexibel, so dass sie starken Winden mühelos standhalten, da sie sich mit dem Wind bewegen können, ohne umzuknicken. Halte deine Sehnen geschmeidig, nimm dir mehr oder überhaupt mal Zeit Zeit für Dehnübungen

Die Wandlungsphase Holz steht für Visionen und Träume – und wer träumt nicht gern, wenn er an Frühlingswiesen entlang läuft nach einem langen Winter? Schmiede Pläne! Vielleicht doch mal ein Marathon irgendwo auf dieser Welt. Plane eine Strategie und fass dir auch ans Herz, genau das dann auch umzusetzen. Denn der Mut, den Plänen auch Taten folgen zu lassen, ist ebenfalls in der Wandlungsphase Holz angesiedelt.

Das Element Holz steht auch für eine bestimmte Emotion – nämlich Zorn und Wut. Und vielleicht haben Sie es selbst schon erlebt – im Frühling, nachdem man sich im Winter mehr in sich selbst zurück gezogen hat, wollen sich Emotionen entfalten. Dann kommt es leichter dazu, dass Menschen auch aneinander geraten. Besser ist es, sich die Wut aus dem Bauch zu laufen als hinunter zu schlucken.

Ich wünsche allen Läuferkollegen einen guten Frühling


Ist das nicht ungesund?

Ob es nicht ungesund sei, so viel zu laufen, werde ich oft von Menschen gefragt, die mitbekommen, dass ich wieder die Marathonstrecke anvisiere und vier- bis fünfmal wöchentlich gemütlich Laufe. Eigentlich nicht, entgegne ich meist, denn der Mensch sei ein Lauftier und bewege sich ohnehin viel zu wenig. Zudem laufe ich auch nur in etwa meine 50 Wochenkilometer, also nicht wirklich viel.
Manchmal denke ich, dass es vielmehr die eigene Bequemlichkeit ist, die die Leute vermeintlich glauben lässt, Laufen schade der Gesundheit. Jedoch bin ich auch der Auffassung, dass das extreme Schinden im Leistungszwang eher weniger zielführende ist. Man stelle sich den gestressten Büromenschen vor, der am Feierabend und am Wochenende mit Stoppuhr Kilometer „fressen“ muss und keuchend durch die Natur hechelt. Das ist Schinderei, und der angeblich entspannende Effekt, von dem beispielsweise gestressten Manager berichten, ist nichts anderes, als bewegte Energie, die sich eher im Mangel befindet und nur durch das Hetzen durch Wald und Flur in Bewegung geriet.
Es geht nicht um Zeit, es geht auch nicht um Kilometerleistung. Vielmehr sollte absichtslos gelaufen werden, sodass sich Raum und Zeit aufzulösen beginnen und sich ein Flow einstellt, bei dem jeder Schritt und jede Berührung mit dem Boden zur Meditation und Selbsterfahrung wird.
Die altchinesische Philosophie der Fünf Wandlungsphasen kann hier sehr hilfreich sein, sich im Einklang mit den Zyklen der Natur zu bewegen. Frei von Leistungsdruck kann sich der Sportler anpassen und dennoch zu beachtenswerten Leistungssteigerungen gelangen.
Der Zyklus beginnt mit dem Frühling, der Wandlungsphase Holz. Wie ein Läufer sie nutzen sollte, um sich bestmöglich zu entwickeln, wird in Kürze hier geblogt werde.